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Die Bekassine – Vogel des Jahres 2013
 

Bekassine: Die Ziege, die eine Schnepfe ist

 

 

Über die Bekassine berichtet  Jürgen Scupin, stellv. Vorsitzender der beiden Rieser Naturschutzvereine Schutzgemeinschaft Wemdinger Ried und Rieser Naturschutzverein.

 

Der oft auch als Himmelsziege bezeichnete Schnepfenvogel ist in seinem europäischen und deutschen Brutbestand in den letzten Jahren sehr stark geschrumpft. Im Landkreis Donau-Ries befinden sich noch Vorkommen.

 

Als die Naturschutzorganisationen NABU und der Landesbund für Vogelschutz in Bayern die Bekassine zum Vogel des Jahres 2013 ausgerufen haben, wurde ein Vogel zum Jahresvogel gewählt, der vielen Bürgern vollkommen unbekannt ist. Dies lässt sich durch den Lebensraum der Bekassine auch leicht begründen. Sehr feuchte nasse Wiesen oder Moore, wo gibt es diese in unserer ausgeräumten Landschaft noch?

 

Die Bekassine ist darauf angewiesen in einem feuchten Untergrund mit ihrem langen Schnabel nach tierischer Nahrung zu suchen. Als Bodenbrüter hat sie viele Feinde und lebt sehr versteckt im Feuchtgrünland mit dichter Vegetation, in der idealer Weise Seggen und Binsen vorkommen.

 

Mit zwei auffallenden Verhaltensmustern macht sie dann aber doch auf sich aufmerksam. Zum einen mit ihrem imposanten Balzflug, bei dem sie bei rasanten Flügen sich dem Beobachter zeigt, um dann mit Steilfügen nach unten mit ihren Schwingfedern das Meckern erzeugt, dass ihr auch den Namen Himmelsziege eingebracht hat.  Daneben wird im Frühjahr das Tickern vernommen, bei dem sie ruhig auf einem Pfahl oder toten Ast sitzt, und einen Ruf von sich gibt, der dem Klang alter Wanduhren nahe kommt.

 

Noch kann man diese besonderen Klänge in der Mertinger Höll und im Wemdinger Ried vernehmen, den einzigen beiden Gebieten im Landkreis Donau-Ries, in denen die Bekassine regelmäßig brütet. Durch Anlage von Feuchtmulden auf eigenen Flächen versuchen Schutzgemeinschaft Wemdinger Ried, die Kreisgruppe des BN und der Landkreis Donau-Ries die Lebenssituation der Bekassine, sowohl im Ries als auch im Süden des Landkreises  zu verbessern. Womit aber schon einer der Hauptgründe für die Ausrufung zum Vogel des Jahres beschrieben sind. Die Bekassine ist aus der normalen Agrarlandschaft verschwunden, und sie hat nur dort eine Chance, wo Flächen für ihre Verhältnisse, und andere Bewohner des selben Biotopes , artgerecht gepflegt werden.

 

Noch um 1970  brüteten im Nördlinger  Ries, vor allem in den Feuchtgebieten des östlichen Rieses ca. 70 Brutpaare.

Durch Flurneuordnungsverfahren , Verfüllung von Feuchstrukturen, Entwässerungsmaßnahmen  und Nutzungsintensivierung sind sämtliche Vorkommen außerhalb von eigens für Feuchtwiesenbewohner eingerichteten Schutzgebieten verschwunden, die Bestände auf etwa ein Zehntel geschrumpft.

Mit der Bekassine , als Bewohner von Feuchtgebieten sind auch artenreiche Pflanzengesellschaften der Feucht-und Nasswiesen  und weitere Feuchtwiesenbewohner , wie z.B. der Grasfrosch und der Kiebitz bis auf  Restbestände aus dem Ries verschwunden.

 

 

Wie viele andere Schnepfenvögel legen sie 4 Eier pro Brut, und die Jungen werden gleich nach dem Schlüpfen 4-5 Wochen von den Eltern geführt. Werden die Tage kürzer, zieht die Bekassine in das Mittelmeergebiet um Schnee und Frost zu entgehen. Leider begibt sie sich aber damit in neue Gefahr, da ihr dort jagdlich nachgestellt wird.  Proteste aus Deutschland bei der EU, auch mit dem Hinweis auf die rasant fallenden Bestände, bewirken z.Z. keine Verbesserung.

Einer der Gründe dafür könnte die Tatsache sein, dass auch in Deutschland die nahen Verwandten der Bekassine, die Waldschnepfe, noch offiziell geschossen werden darf.

 

So bleibt nur zu hoffen, dass die umgesetzten Biotopgestaltungen helfen, der Bekassine neuen Lebensraum zu schaffen, damit auch unsere Kinder noch das Meckern der Bekassine erleben können.        

 

 

Typischer Lebensraum der Bekassine im Wemdinger Ried (Bild: Helmut Partsch)


 

Bekassine (Bild: Jürgen Scupin)  


 
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