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Der Gartenrotschwanz – Vogel des Jahres 2011
 
Gartenrotschwanz: Ein schöner Gartenbewohner macht sich rar
 

 

Über den Gartenrotschwanz  berichtet  Jürgen Scupin, stellv. Vorsitzender der beiden Rieser Naturschutzvereine Schutzgemeinschaft Wemdinger Ried und Rieser Naturschutzverein.

 

Als die Naturschutzorganisationen NABU und der Landesbund für Vogelschutz in Bayern den Gartenrotschwanz als Vogel des Jahres 2011 ausgerufen haben, werden viele Eigenheimbesitzer gedacht haben, „bei mir unter dem Dach brütet  ja auch der Rotschwanz“. Aber beim Blick auf das Bild werden sich fast ebenso viele denken, „mein Rotschwanz sieht aber anders aus“. Dies ist leicht verständlich, da der heute häufige Vertreter der Rotschwänze,  der Hausrotschwanz ist, bei dem das Männchen einen schwarzen Körper mit einem roten Schwanz besitzt. Die Weibchen von beiden Arten sehen sich sehr ähnlich und sind eher unscheinbar grau bis hellbraun. Sollte aber doch jemand den Gartenrotschwanz aus seinem Garten und nahen Friedhof, als ausdauernden Sänger im Jahre 2010, erlebt haben, so sollte er sich glücklich schätzen, diesen seltenen Vogel im Landkreis Donau-Ries erlebt haben zu dürfen.

 

Während  bei vielen anderen Vogelarten, die Scheu vor dem Menschen  ein Grund für die zunehmende Seltenheit ist, verhält es sich bei dem Gartenrotschwanz völlig anderes. Er hat über viele Jahrhunderte die Nähe zum Menschen gesucht, seine alten Obstbäume in Gärten und Streuobstwiesen, seine

lockeren Baumpflanzungen in Parkanlagen und Friedhöfen. Ein Paar hatte sich zum Beispiel einen Nistkasten direkt beim Hauptweg der Landesgartenschau in Rain am Lech ausgesucht und dem großen Besucherandrang erfolgreich getrotzt.

Generell bevorzugt der Gartenrotschwanz halboffene Landschaften.

 

Das Hauptproblem des Gartenrotschwanzes sind seine Lebensräume. Er benötigt für seine Brut Baumhöhlen, die in immer weniger Obst-, Allee- und Auwaldbäumen  vorhanden sind.  Gleichzeitig müssen die Bäume genug Platz und Freiraum bieten, damit Jagdflüge auf Fluginsekten stattfinden können und ein freies Plätzchen für den Reviergesang sollte ebenfalls vorhanden sein. Leider haben  die Sommerlebensräume oftmals durch intensivere Pflege an Qualität verloren. In den frühen 1970er Jahren war der Gartenrotschwanz noch ein häufiger Bewohner in Gärten und Parkanlagen von Donauwörth, Nördlingen oder Wemding. Leider sind diese Zeiten vorbei.

 

Der Gartenrotschwanz überwintert in der Sahelzone. Damit trifft ihn der Klimawandel mit der Ausbreitung von Wüsten genauso stark, wie die dort verbreiteten chemischen Bekämpfungen von Wanderheuschrecken. Ebenfalls ist er nach wie vor das Opfer von z.T. illegalen Jägern in Malta, Italien und Spanien. Kommt er dann als einer der letzten Zugvögel in Nordschwaben Anfang Mai an, muss er oft feststellen, dass die raren Bruthöhlen von anderen Vögeln, Wespen, Hornissen oder dem Siebenschläfer bereits belegt sind.    

 

Der Gartenrotschwanz ist ein Frühaufsteher, sein Gesang vernimmt man bereits am frühsten Morgen noch bei Dunkelheit. Aus den bis zu 7 Eiern großen Gelegen schlüpfen bereits Mitte Mai die Jungvögel. Sie werden von beiden Eltern gefüttert.     

 

Wie so vielen anderen Vögeln  kann man dem Gartenrotschwanz am besten durch einen strukturreichen Garten helfen. Obstbäume, blühende Bereiche für Insekten und  keinen Einsatz von Insektenvernichtung sind wichtige Schritte zur Verbesserung der Lebenssituation. Ein wesentlicher Beitrag wäre auch die weniger intensive und naturgerechtere,  und damit oft auch kostengünstigere Pflege der Parkanlagen. Auch geeignete Nistkästen, selbstgebastelt oder aus dem Fachhandel erhöhen die Chance, diesen prächtigen Vogel aus unserer Nachbarschaft zu erhalten.

 

 
Männchen des Gartenrotschwanzes

 
Weibchen des Gartenrotschwanzes

 
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