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Pressemitteilung
 

Vogel des Jahres 2003 - der Mauersegler

 

Über den Vogel des Jahres 2003, den Mauersegler, berichtet Jürgen Scupin, Vorstandsmitglied des Rieser Naturschutzvereines und der Schutzgemeinschaft Wemdinger Ried

(js) Geht man an einem warmen Abend Ende Juli beim Donauwörther Bahnhof, in der Innenstadt von Nördlingen oder in der Nähe der Wemdinger Wallfahrt seines Weges, fallen einem aufmerksamen Beobachter Trupps von Vögeln auf, die im rasend schnellen Flug, begleitet von schrillen Rufen, an den Gebäudewänden entlang jagen. Nicht etwa Schwalben, sondern Mauersegler vollführen hier ihre abendlichen Wettflüge, kurz bevor sie uns wieder Richtung tropischem Afrika, ihrem Überwinterungsgebiet, verlassen. Der Mauersegler wurde vom Naturschutzbund und dem Landesbund für Vogelschutz in Bayern zum Vogel des Jahres 2003 gewählt.

Ähnlich wie beim letztjährigen Vogel des Jahres, dem Haussperling, fiel auch diesmal die Wahl wieder auf einen Vogel, der nicht akut bedroht ist. Vielmehr soll er, der relativ unbekannte Untermieter von Häusern und Kirchen, vorgestellt werden. Er soll auch dazu beitragen, dass wir unsere engere Umgebung mit etwas offeneren Augen wahrnehmen und darauf achten, dass wir unsere Gärten und Grünanlagen naturfreundlicher anlegen und pflegen.

Der mit ca. 40cm Flügelspannweite relativ große, dunkel gefärbte Mauersegler ist wahrscheinlich der beste Flieger unter den einheimischen Vögeln. Er, der mehr mit Kolibris als mit Schwalben verwandt ist, mit denen er gerne verwechselt wird, verbringt fast sein ganzes Leben in der Luft. Ob Paarung, Jagen von Insekten, Trinken, ja selbst das Sammeln von Baumaterial für die Nester, das aus in der Luft schwebenden Federn, Haaren und sonstigen Materialien geformt wird, erfolgt alles im Flug. Auch sonst zeigt der Mauersegler ganz außergewöhnliche Eigenschaften, die in dieser Art sonst von keiner anderen einheimischen Art bekannt sind. Er kann auch im Flug schlafen und parkt sich dafür in Warteschleifen im Nachthimmel. Bei länger anhaltendem schlechten Wetter in der Brutsaison, können die Altvögel für ein paar Tage in das Mittelmeergebiet ausweichen. Die Jungen fallen dann in eine Hungerstarre, reduzieren ihren Stoffwechsel erheblich, und überstehen so, je nach Größe, die insektenarme Zeit für einige Tage. Deshalb variiert die Dauer des Brutgeschäftes des Mauerseglers erheblich.

Trotz dieses faszinierenden Verhaltens ist auch der Mauersegler darauf angewiesen, dass er einen Schlechtwettertag in der Nähe seines Brutplatzes überstehen kann. Deshalb können die Mauersegler an einem regnerischen Junitag laut rufend und außergewöhnlich tief über Wörnitz oder Eger fliegend, auf der Jagd nach Insekten beobachtet werden.

Der Mauersegler ist ursprünglich ein Baum- und Höhlenbrüter. Heute gibt es in Deutschland nur noch ganz wenige Baumbrüter. Die meisten Paare haben die großen Gebäude der Städte und Dörfer als sichere Brutplätze angenommen. Hier versuchen sie auf Absätzen, Nieschen und in Mauerschäden, meistens direkt unterm Dach, ihre beiden Jungen großzuziehen. Im Gegensatz zu den Schwalben sind die Nester des Mauerseglers von der Straße aus nur selten zu sehen. Auf die Sauberkeit wird bei Familie Mauersegler großen Wert gelegt, jeder Kotballen der Jungen wird vom Nest weit weggeflogen um Marder und Katzen nicht anzulocken.

Nach weniger als drei Monaten Aufenthalt im Brutgebiet verlässt uns der Mauersegler bereits Ende Juli/Anfang August, um in sein Überwinterungsgebiet zu ziehen. Damit wir diesen rasanten Weitflieger weiterhin in unseren Siedlungen begrüßen können, sollten wir auf artenreiche Gärten achten, damit auch seine Nahrung die Insekten, ihr Auskommen haben. Bei Haussanierungen sollten die alten Nischen und Kanten erhalten bleiben, damit der Mauersegler nicht durch Wohnungsnot auch das Schicksal so vieler anderer Vogelarten teilen muss, bei denen rapide Bestandsrückgänge zu verzeichnen sind.

Bild: Helmut Partsch

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