Dr. Heinrich Greiner gründete 1970 zur Rettung dieses Gebietes, zusammen mit Gleichgesinnten, den Verein Schutzgemeinschaft Wemdinger Ried e.V. .
Für die damalige Zeit, da Naturschutz kaum ernst genommen und schon gar nicht für notwendig gehalten wurde, erfuhr das Unternehmen eine beachtliche Unterstützung seitens der zuständigen Gemeinden und Behörden.

Als Ende der sechziger Jahre die ersten Flurbereinigungsverfahren eingeleitet wurden, bestand die Gefahr, dass das an der westlichen Gemarkungsgrenze Wemdings gelegene wechselnasse Streu-wiesengebiet, von der Bevölkerung „Rohr“ genannt, entwässert und in landwirtschaftliche Flächen umge-wandelt werden würde. Damit wäre eines der letzten nennenswerten Feuchtgebiete des Rieses vernichtet worden. Für die Landwirt-schaft war dieses Gebiet seit jeher wertlos, für Tiere und Pflanzen hingegen eines der wenigen Rückzugsgebiete in der Rieser Ebene.

Das Gebiet in seinem Urzustand. Auf Grund des geringen Gefälles standen die Flächen sehr häufig unter Wasser. Wegen der geringen Nutzung fanden Tiere und Pflanzen einen relativ ungestörten Lebensraum. Durch Entwässerungsmaßnahmen in der Umgebung drohte das Gebiet auszutrocknen.

Ehe mit den Gestaltungsarbeiten zur Wasserrückhaltung und Vernässung begonnen werden konnte, mussten ca. 500 Kleinparzellen in das Eigentum des Vereines überführt werden. Diese Prozedur war nur im Rahmen und mit Hilfe der Flurbereinigung zu bewältigen.

Bis in den ersten Jahren 33 kleinere und größere Gewässer mit einer Gesamtfläche von ca. 3,4270 ha angelegt waren, verwandelte sich das Gebiet in eine große „Baustelle“.

Gemessen an den heutigen technischen Möglichkeiten, waren die damaligen Ge-gebenheiten eher bescheiden. Für die ca. 50.000 m³ Erdaushub waren ca. 15.000 Traktorfuhren nötig, um das Erdreich ab zu fahren. Landwirte aus der Umgebung besorgten dies kostenlos.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!
Um den verschiedenen Ansprüchen von Pflanzen und Tieren gerecht zu werden, wurden die Gewässer in unterschiedlichen Tiefen angelegt.

Das größte Gewässer, der Obere Riedweiher, nimmt die geplanten Formen an.

Infolge der extremen Staunässe füllten sich die „Baugruben“ sehr schnell mit Wasser und die Natur konnte von den neu geschaffenen Lebensräumen Besitz ergreifen.


Bereits nach zwei Jahren ist von der „Baustelle“ nichts mehr zu sehen. Die Natur ist zurück gekehrt.
Ein Stück Natur aus zweiter Hand ist entstanden.


So sieht das Wemdinger Ried heute nach mehr als 40 Jahren aus. Es blieb nicht bei den Gestaltungsmaßnahmen der ersten Jahre. Eingriffe, die sich als notwenig oder sinnvoll erweisen, werden nach wie vor durchgeführt. Zahlreiche vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten haben dort geeignete Lebensräume gefunden.